Offener Brief Ihrer O-Tonmeister an Regie und Produktion

Dieser Brief wurde verfasst von professionellen Tonleuten, um Regisseuren und Produzenten darzulegen, wie guter Filmton am Set aufgenommen werden kann. Wir wollen IHNEN helfen, den bestmöglichen Film zu drehen!

Wir wollen uns hier nicht über Aufnahmetechnik und Tonmischung auslassen, denn dass ist der Teil der Magie, den Sie gut und gerne uns anvertrauen können. Wir wollen Ihnen stattdessen das Wissen vermitteln, um einzuschätzen zu können, was einem gutem Filmton entgegensteht, bevor vorschnelle Entscheidungen getroffen werden, welche die Qualität des Originaltons beeinträchtigen.

Um Ihnen bei der Entscheidungsfindung zu helfen, sollten Sie einige der Hürden kennen, die wir Tonmeister nehmen müssen, bevor wir überhaupt erst anfangen können, brauchbaren O-Ton am Set aufzunehmen.

Wir befinden uns schließlich im Zeitalter des digitalen Filmtons: Kinos haben wunderbares THX (ja, das Publikum hört tatsächlich hin!) und SDDS mit 5.1-Tonanlagen. Heimanlagen sind oft besser als in vielen Kinos, und ein anspruchsvolles Publikum kauft DVDs mit 24bit-Ton.

Dennoch: Heute krankt der Filmton wie nie zuvor an seinem Ursprung: Dem Filmset.

Das Problem

Wir, die Tonleute am Set, sind diejenigen, auf die Sie Sich verlassen, um den Klang IHRES Films beim Dreh zu erschaffen und zu bewahren.

Anders als bei der Arbeit der meisten Gewerke, die für das Ergebnis des Kamerabildes arbeiten, sind die Leistungen des O-Tonmeisters am Set nicht „sichtbar“. Kaum jemand hört das, was das Mikrofon aufnimmt. Zu wenige wissen überhaupt, was wir da tun. Nur die allerstörendsten Geräusche werden überhaupt thematisiert.

Zu unserer Arbeit gehört es auch, das Set hinsichtlich unnötiger, unabsichtlicher, gleichgültiger oder sogar böswilliger Handlungen oder Unterlassungen zu beobachten. Dabei sollte klar sein: Wir tun das nicht für uns. Wir tun das, damit SIE den bestmöglichen Ton für Ihren Film bekommen.

Wir sind oft genug frustriert über die Drehbedingungen an vielen Sets. Häufig wird von uns erwartet, alle Tonprobleme selbst zu lösen. Jedoch sollte dies das gemeinsame Bemühen aller Gewerke sein.

O-Tonmeister werden häufig als Ärgernis wahrgenommen oder als Hindernis für einen zügigen Filmdreh. Natürlich wollen wir nicht in diese untragbare Rolle gedrängt werden, denn es ist beleidigend und kontraproduktiv. Wir möchten nicht verstanden werden als diejenigen, die allen anderen entgegenstehen und sicher wollen wir auch nicht die „Tonpolizei“ sein.

Ein Tonmeister auf einem harten Dreh, der auf sich alleine gestellt ist im Kampf um IHREN guten Ton, wird wahrscheinlich bald der ganzen Entschuldigungen und Verteidigungen müde sein. Ohne Unterstützung ist es schwer, alles zu geben. Die Versuchung wird groß sein, dem Druck nachzugeben und die Dinge laufen zu lassen. Doch Gutes kann kaum daraus entstehen.

Die Probleme, denen wir begegnen, mögen Sie dazu verleiten zu glauben, dass guter O-Ton nicht ohne Drehunterbrechungen und zusätzliche Kosten erreicht werden kann. Doch all dies wäre nicht nötig, wenn im Vorfeld geeignete Maßnahmen getroffen und von Ihnen sowohl in der Vorbereitung, als auch während des Drehs durchgesetzt würden.

Wir kennen die Grenzen der Technik. Mikrofone beispielsweise sind nur Werkzeuge, sie können keine Wunder bewirken. Wenn Tonprobleme nicht unmittelbar am Set gelöst werden, werden diese Sie später in der Postproduktion wieder einholen.

Sie können uns helfen, Ihnen eine bessere Arbeit abzuliefern. Guter O-Ton kann fast immer durch eine gute Vorbereitung entstehen, die einen vor Fallstricken bewahrt.

Wir brauchen Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung.

Damals und Heute

Um den heutigen, verbesserungswürdigen Zustand der Belange des Tons zu verstehen, muss man ein bischen in der Zeit zurückgehen und über den großen Teich blicken. (Womöglich gabe es auch in Deutschland ähnliche Verhältnisse, doch der 2. Weltkrieg hat diese Traditionen unterbrochen):

Einst existierte in den USA ein großes Studiosystem, wo eine Werkmannschaft zusammen arbeitete, um Filme zu produzieren. Egal in welchem Studio man arbeitete, alle Gewerke hatten es verinnerlicht, dass sie alles in Ihrem Bereich unternehmen mussten, um gute Tonaunahmen zu ermöglichen. Dies war Teil Ihres Arbeitsvertrages. Diese Pflichten wurden auch den jüngeren Auszubildenden vermittelt. Beleuchter eliminierten Mikrofonschatten durch gut gesetzte Fahnen oder tauschten eine fiepsenden Brenner aus. Kamerabühnenleute kümmerten sich  selbstverständlich um knarzende Schienen oder quietschende Dollys. Der Kamerassistent tat alles erdenkliche, um die Kameralaufgeräusche zu dämpfen und oft hatte der Kameramann sich und die ratternde Kamera gemeinsam in Decken und Kissen gehüllt. Alle anderen Gewerke taten alles, was ihnen sinnvoll erschien, um einen guten Oton zu erreichen, denn es war Teil Ihres Jobs. Niemand musste versuchen, sie dazu zu überreden. Es war eine Ära der selbstverständlichen Kooperation mit der Tonabteilung und es war die gängige Art, gute Filme herzustellen.

Heute haben die Gewerke weiterhin einen hohen Arbeitsethos, doch anscheinend sehen sie Unterstützung für die Belange des Tons nicht mehr als Teil Ihres Aufgabenbereiches an. Die Probleme begannen, als das Fortbildungssystem innerhalb der Studios zusammenbrach und sich außergewerkschaftliche Independentfilme mehrten. Einhergehend mit dem gewandelten Verständnis dessen, was Ihre Tätigkeit ausmachte, änderte sich auch die Art, wie der Ton am Set gesehen wurde. Heutzutage glauben die Gewerke nicht mehr, sie müssten alles tun, um IHNEN zu einem guten Ton für IHREN Film zu verhelfen. Es gibt kein Ausbildungssystem mehr, das dieses Wissen weitergibt. Den Job eignet man sich heute stattdessen selbst „heiß“ während des Drehs an.

Heutzutage müssen die Gewerke bei jeder Gelegenheit um die Dinge gebeten werden, die notwendig sind, um IHREN Filmton zu retten, denn es kommt ihnen nicht mehr von alleine in den Sinn, dass es ihre Aufgabe ist.

Die Tonabteilung würde sehr gerne selbst den Schatten auf der Rückwand abdecken oder die laute Kamera dämmen, aber so läuft das Spiel eben nicht. Stattdessen müssen wir überzeugen, bitten, locken, tricksen und alle anderen psychologischen Kniffe verwenden, welche die anderen Gewerke dazu bringen, Tonproblemen vorbeugen zu helfen.

Während es heisst „drehfertig machen“, sollten diese letzten Sekunden nur dazu genutzt werden, unerwartete Probleme zu beheben, die immer irgendwo auftauchen. Stattdessen erfährt der Tonmeister hier oft zum ersten Mal, dass der Dialog oder die Inszenierung geändert wurde oder dass neue Störgeräusche (Komparsen, Lampen) am Set oder drumherum auftreten.

Jedes der anderen Gewerke arbeitet dafür, was im Bild zu sehen ist und nicht, was zu hören ist. Jede einzelne Person der Produktion von Maske und Kostüm bis zu Bühne und Ausstattung konzentriert sich nur auf die Bildauspielung der Kamera.

Da die anderen Mitarbeiter nur für das Bild arbeiten, weiss oder kümmert sich niemand darum, was mit IHREM Ton passiert. Sie sind die einzige Person, welche die Macht hat, uns zu erlauben, guten Ton aufzunehmen. Es ist immer verlockend für die Tonleute, nachzugeben und nicht gegen den Strom zu schwimmen, wenn die Umstände unüberwindbare Hindernisse auftürmen.

Filmhochschulen sollten eigentlich Psychologieseminare in Ihre Ton-Ausbildung einflechten. Oft ist die Situation wirklich so schlimm. Deshalb wollen wir Ihnen so viel wie möglich über das Minenfeld für den Ton beibringen, welches auf jedem Set lauert.

Was Ihnen oft wie Nörgelei vorkommen mag, ist in Wahrheit einfach das Kommunizieren von negativen Faktoren an Sie, so dass Sie wissen, was Sie auf Ihrer Tonspur geliefert bekommen, wenn die Tonprobleme nicht JETZT am Set gelöst werden. Letztendlich ist es Ihre Entscheidung. Nur weil wir ein Störgeräusch hören, bedeutet das nicht, dass es ein Problem der Tonabteilung ist. Es ist auch IHR Problem. Denn am Ende des Drehtages legen wir die Tonspuren in Ihre Hände.

Nach dem Sie all das gelesen haben, wird es hoffentlich viel einfacher für Dich sein, eine wohlinformierte Entscheidung zu fällen, wann wirklich Sprachsynchron nötig ist. Es ist viel zu spät, schlechten O-Ton erst in der Postproduktion anzugehen.

Obwohl das Thema erst ganz am Schluss der Produktionskette steht, werden wir uns zuerst damit befassen, warum Sprachsynchron keine Lösung ist.

Sprachsynchron (ADR, looping)

Es ist wichtig, die Tragweite und Konsequenzen zu verstehen, die eine Entscheidung für Sprachsynchron nach sich zieht.

Sicher sind Sie sich bewusst, dass zusätzliches Sprachsynchron eine finanzielle Belastung für Ihr Budget ist, doch sind die Folgen weitaus schwerwiegender. Sprachsynchron darf nur eine Antwort auf Situationen sein, bei denen gar nichts anderes mehr hilft. Es ist kein schneller Ausweg, wenn das ursprüngliche Problem am Set einfach durch ein bischen Zeit, Know-How oder Kommunikation behoben werden könnte. Sprachsynchron bedeutet einen großen künstlerischen Kompromiss, der Ihren Film auf vielfältige Weise beschädigt, die Ihnen möglicherweise gar nicht bewusst ist

Erfahrungsgemäß ist die Schauspielerperformance am Set immer besser als in einer Sprecherkabine. Ein Film ist eine künstlerische Leistung, die für immer bestehen bleibt! Sie casten tolle Schauspieler und vereinen alle gemeinsamen Anstrengungen in das Filmprojekt – und dann verlieren Sie die Essenz der Szene durch Sprachsynchron! Die Stimme eines großartigen Darstellers, der in seiner Rolle aufgeht und sich mit anderen Darstellern in einem dreidimensionalen Raum bewegt und interagiert ist ein Schatz. Sie haucht dem Film Leben ein.

Klar, Sprachsynchron hat weniger Störgeräusche als selbst die allerbesten O-Tonaufnahmen vor laufender Kamera, doch fehlt Ihnen die Spontanität und emotionale Wahrheit dessen, was man einfängt, wenn man die schauspielerische Begabung am Set voll ausnutzt. Dies kann man nicht nachahmen. Sprachsynchron ist keine Schauspielerei. Die größten Method-Acting-Talente hassen es alle und selbst in seiner besten Form ist es nur eine ähnliche Neuschaffung der originalen Szene.

Sprachsynchron reisst zudem ein Loch in das Postproduktionsbudget und gefährdet dessen engen Zeitplan. Geld und Zeit, die viel besser angelegt wären, wenn sie für eine magische Tongestaltung zur Bereicherung des Films eingesetzt würden.

Wenn man gar nicht um Sprachsynchron herumkommt, dann wenigstens direkt am Set in Form von Nachsprechern – und zwar möglichst unmittelbar nach der Szene. Die schauspielerische Leistung wird direkt nach dem Dreh der Einstellung viel besser sein und der Klang natürlicher, wenn er in der selben Umgebung aufgenommen wird und alle störenden Geräusche eliminiert werden. Es gibt Firmen, die sich auf Sprachsynchron am Set spezialisiert haben, indem sie in portablen Studios die Aufzeichnungen der Videoausspielung als Bildreferenz verwenden

Sprachsynchron ist im besten Falle unverantwortlich. Gehen Sie  sicher, dass das Tonproblem wirklich nicht behoben werden kann, BEVOR eine Entscheidung getroffen wird, die man später bereut. Lassen Sie nicht zu, dass lediglich ein Augenblick von Ungeduld am Set der Grund für Synchron ist! Gehen Sie sicher, dass  die möglichen Alternativen vorher ernsthaft erwogen werden.

Tonprobleme am Set

Die meisten Vorkommnisse, die den O-Ton ruinieren, sind völlig vorhersehbar, passieren trotzdem aber wieder und wieder, bei jedem Dreh, Jahr um Jahr!

Diese Faktoren sind klar bennennbar und quantifizierbar. Der Unterschied zwischen gutem und schlechtem O-Ton richtet sich schlicht danach, wie oft diese vorhersehbaren negativen Faktoren speziell auf Ihrem Dreh vorkommen und wie damit umgegangen wird.

Es gibt nur wenige Probleme, für die es keine Lösung gibt – wenn sie denn rechtzeitig angegangen werden. Den Tonmeister haben Sie dabei an Ihrer Seite. Schauen wir uns und die typischen Tonprobleme an, die im Verantwortungsbereich der jeweiligen Gewerke liegen:

Vorbereitung

Guter Ton beginnt damit, die Folgen bereits im Voraus zu berücksichtigen. Kommunizieren Sie früh und oft mit Ihrem O-Tonmeister in der Vorbereitungsphase. Bezahlen Sie ihn dafür, dass er problematische Sets rechtzeitig im Voraus kennenlernt. Lassen Sie Ihn eine Probeaufnahme machen um mit der Postproduktion zu klären, ob die Störungen hinterher „gesäubert“ werden können. Tuen Sie dies, bevor eine Festlegung auf einen bestimmten Drehort erfolgt und bevor eine Setbesichtigung angesetzt wird! Ist der Tonmeister noch bei einer anderen Produktion engagiert, lassen Sie ihn einen vertrauenswürdigen Kollegen bestimmen, der ihn vor Ort vertritt. Laden Sie den O-Tonmeister zur Setbesichtigung ein. Letzten Endes ist all dies kostengünstiger.

Aufnahmeleitung

Hier kann mehr für den Filmton getan werden als in allen anderen Filmgewerken. Bei der Auswahl der Drehorte muss die Tontauglichkeit berücksichtigt werden. Wenigstens sollten die klanglichen Störfaktoren der Umgebung eingeschätzt werden. Wir bitten lediglich um ein wenig Bewusstsein gegenüber den möglichen Tonproblemen vor Ort. Oft drehen wir an Orten, die ohne weiteres auch durch einen anderen Drehort hätten ersetzt werden können. Oder man hätte an einem ruhigen Wochenende drehen können. Oft dreht man in der Nähe von Baustellen, Verkehr, Schulen, Flugzeugrouten und anderen Störungen im Hintergrund, die eigentlich offensichtlich sind. Dort sollte nur gedreht werden, wenn es für den Film absolut notwendig und essentiell ist.

  • Beseitige all die Störgeräusche, bevor das Filmteam am Set eintrifft.
  • Immer die Steuerung der Lüftungs-/ Klimaanlage bedenken. Das ist Pflicht! Ohne Kontrolle der Klimaanlage wird der Geräuschteppich im Hintergrund bei jedem Schnitt springen, da die Lüftung beständig schwankt. In einem großen Gebäude muss jemand mit Funkgerät bereitstehen, der die Lüftung nach jedem Take wieder anstellt. Auch außerhalb von Gebäuden kann es notwendig sein, die Klimaanlagen der benachbarten Gebäude kontrollieren zu können.
  • Gewinne die Kontrolle über alle Lärmquellen in Motiven wie Bars, Büros, oder Krankenhäusern. Alle Kühlschränke, Computer, Eismaschinen, Röntgengeräte und andere Geräte müssen abschaltbar sein.
  • Drehs an Orten wie realen Kneipen und Restaurants sollten außerhalb der Öffnungszeiten geplant werden
  • Blechdächer sollten bei Regenzeiten gemieden werden.
  • (Licht-)Stromkabel müssen so verlegt werden, dass gleichzeitig Fenster, Türen und andere Öffnungen geschlossen bleiben können.
  • Wenn irgend möglich, immer Straßensperrungen beantragen.

Fuhrpark

  • Produktionsfahrzeuge und Basis so weit wie möglich vom Set abstellen. Eigene Generatoren und Klimaanlagen währens des Drehens ausstellen. Basis in stillen Umgebungen (Land, Wüste, Berge) mindestens 350m entfernt aufbauen, im Stadtbereich können es auch nur 150m sein.
  • Nach Möglichkeit einen großen LKW vor den Generator parken.
  • Honoriere  Trailer-Vermieter, die alles Mögliche unternehmen, um Trailerdrehs so lärmarm wie möglich durchzuführen. Erkundige Dich z.B., ob die Generatoren lärmgedämmt und vor dem Zugfahrzeug angebracht sind, und ob dessen Auspuffrohr ebenfalls nach vorne statt nach hinten geführt wurde.
  • Plane ein, motorisierte Drehfahrzeuge lautlos von Menschenhand zu ziehen (starkes Tau!) oder zu schieben, insbesondere bei Naheinstellungen.

Szenenbildner

  • Berate Dich mit der Tonabteilung, wenn geräuschlastige Möbel und Deko eingeplant ist, wie z.B. Computer, Automaten, Kühlschränke.
  • Berücksichtige die Tonangel über den Köpfen, bevor niedrig abgehängte Decken, Hängelampen oder Streben eingebaut werden
  • Fülle hohle Treppen mit Bauschaum um dröhnende Schritte über Dialogtext zu loszuwerden.
  • Wo immer möglich, lege die Sets mit Teppichen aus, um Echos und Raumhall abzudämmen. Inbesondere in Räumen, in denen viel Dialog stattfindet.

Set-AL und Regieassistent

Keine dieser Ausführungen werden erfolgreich sein, wenn Set-AL und Regieassistent Ihren Filmton nicht unterstützen. Bisweilen tun sie das nicht. Die Filmmannschaft wird dies als Hinweis nehmen und den Kooperationswillen verlieren, wenn der Set-AL offensichtlich zu ungunsten eines guten O-Tons agiert. Entlarvende Äußerungen wie „Wir warten auf den Ton“ oder „das machen wir in der Post“ sind unproduktiv und ruinieren unsere Motivation.

  • Bring das Set zur Ruhe. Erlaube keinerlei Herumlaufen beim Drehen. Stelle Deine Assistenten an den Schlüsselpositionen draußen auf , besonders unter Fenstern. „Bitte Ruhe, wir drehen“ heisst, dass man keinerlei Arbeitsgeräusche hört, keine Motoren, keine Unterhaltung. Stelle Dein Funkgerät so ein, dass die Prioritätsfunktion alle anderen Funkgespräche unterbricht, so dass die Ansage über alle Fukkanäle zu hören ist, die die anderen Gewerke benutzen.
  • Erlaube der Tonabteilung, schnelle Änderungen zu machen, die angemessen sind.
  • Halte die Komparsen dazu an, rein pantomimisch zu sprechen.
  • Gewähre der Verkabelung von Schauspielern mit Ansteckmikrofonen einen angemessenen Ort und Zeitrahmen. Es wird nicht schneller gehen, wenn Du der Tonabteilung Druck machst, und der Schauspieler erst in letzter Sekunde auf einer Verkabelung besteht. Andersrum, lass den Tonassistenten nicht unnötig vor den Masken- und Kostümräumen wartend seine kostbare Zeit vergeuden, die er mit dem Lösen anderer Tonprobleme am Set nutzen könnte.
  • An geschlossenen Sets: Rufe den Tonassistenten vor der letzten Probe mit dazu, so dass er sie ansehen kann.
  • Berücksichtige die angekündigten Nachsprecher, bevor das Bild als „gestorben“ ausgerufen wird oder der Darsteller das Set verlässt.
  • Berücksichtige auch die Bitte um Raumstatisch/Atmos, bevor das Bild als „gestorben“ ausgerufen wird und sorge dafür, dass alle Unterhaltungen und Bewegungen aufhören. Es ist sehr wichtig, Raumstatisch aufzunehmen, bevor irgendetwas im Raum verändert wird und die Atmo sich ändert.
  • Auf Flugzeug-verseuchten Drehorten, starte den Take schon während des Ausklangs des Düsengeräusches bevor das nächste Flugzeug ankommt. Sorge für ausreichend Ruhe am Set, so dass die ankommenden und wegfliegenden Jets gehört werden können.
  • Informiere die Tonabteilung zwei Tage, bevor Szenen mit Playbackeinspielungen anstehen. Lass das Produktionsbüro einen von der Postproduktion abgesegnetes Musikstück mit synchroninformation erstellen und zusenden. Erwarte nicht, dass eine CD oder MP3 allein genügt.
  • Lass alle  Handys während des Drehs und der Generalprobe abschalten (nicht nur lautlos), da deren Funkstrahlung den Empfang der Funkmikrofone stören kann.
  • Generalprobe  bitte immer mit Komparsen, damit deren Geräuschpegel eingeschätzt werden kann. Werden zwischen den Takes noch weitere Komparsen eingesetzt oder ausgetauscht, bitte immer dem Tonmeister mitteilen, da diese evtl. laute Schuhe tragen, die den Dialog ruinieren.

Produktionsleiter

  • Budgetiere einen zweiten Tonassistenten mit ein, sowie genügend Tonausrüstung. Ein zweiter Assistent is unschätzbar wertvoll bei der Lösung von dringenden Tonproblemen, die am Set schnell gelöst werden müssen.
  • Verweigere nicht zusätzliche tonbezogene Kosten, bevor du nicht die Auswirkungen auf das Gesamtbudget des Films, inkl. Postproduktion bedacht hast.
  • Buche und prüfe tontaugliche Studios. Selbst die neuesten und modernsten Studios haben oft eine schlechte Akustik oder haben die Dimmerelektronik so schlecht akustisch isoliert, dass sie schwerwiegende Probleme verursacht
  • Budgetiere ausreichend Set-AL-Assistenten mit ein. Ihre Anzahl steht meist in direktem Verhältnis zur Qualität des O-Tons, denn sie sind für die Kontrolle der Störgeräusche am Drehort zuständig.

Kamerabteilung

Kameraassistenten:

  • Wenn die Kamera ein Geräusch macht, versuche alles mögliche, um sie zu dämmen, mit Barney, Glasscheiben, Decken, oder sonstiger Justage der Mechanik.
  • Schalte die TC-Klappe niemals aus, denn der Timecode wird asynchron werden. Sag dem Tonmeister Bescheid, sobald die Klappe Unregelmäßigkeiten hat.
  • Teile dem Tonmeister Deine Funkfrequenzen für Bildausspielung und Funkschärfe mit, damit die Ansteckmikros nicht gestört werden. Sei darauf vorbereitet, den Videofunk bei Problemen auszuschalten.

Kameraschwenker:

  • Halte Dich an den wirklich verwendeten Ausschnitt und nicht mehr.
  • Kommuniziere und löse jedes Problem mit dem Tonangler, bevor drehfertig gemacht wird.
  • Sei bereit, auch unter einer Abdeckung zusammen mit einer besonders lauten Kamera zu arbeiten.

DOP:

  • Leuchte das Set so ein, dass eine Tonangel sich über den Köpfen bewegen kann.
  • Benutze keine XENON-Brenner bevor der Regisseur nicht infomiert wurde, dass die Szene nachsynchronisiert werden muss
  • Sage niemals: „Das lassen wir nachsynchronsieren“! Es ist nicht die Aufgabe des Kameramanns, darüber zu entscheiden. Wenn der Kameramann der Crew gegenüber zeigt, dass der Ton wichtig für den Film ist, werden sie diese Haltung übernehmen und aufmerksamer gegenüber möglichen Tonproblemen sein.
  • Beim Dreh von Autoszenen, bedenke Tonprobleme und leuchte so, dass Fenster wo immer möglich geschlossen werden können.

SFX-Abteilung

  • Platziere alle Geräte, die nicht lautlos arbeiten, so weit wie möglich abseits des Sets und dämme den Lärm, sobald die Szene Dialog enthält.
  • Bei der Verwendung von Regenmaschinen platziere die Pumpen so weit weg wie möglich und kalkuliere genügend Schäuche ein.
  • Verwende „Hog´s hair“  (Klimaanlagenfilter) zur Dämpfung von Regentropfen auf Dächern , wenn vor den Fenstern Regen zu sehen sein soll.
  • Bei der Verwendung von Windmaschinen sprich Dich vorher mit dem Tonmeister ab, damit er nicht beim ersten Take davon überrascht wird.
  • Beim Erzeugen von Feuern, versuche das Zischen des Gases so weit wie möglich zu mindern.
  • Heizgeräte in der Nähe von Sets müssen lange genug vor dem Drehen abgestellt werden, damit das sich abkühlende Blech nicht knackt.

Kostümabteilung

Die Garderobenleute können eine große Hilfe sein bei der optimalen Platzierung von Ansteckmikrofonen am Körper des Schauspielers. Bitte aber in dessen Anwesenheit keine negativen Kommentare über Beulen im Stoff machen, die dem Darsteller das Tragen der Mikrofone verleiden.

  • Versuchen Sie, stark raschelnde oder knisternde Materialien zu vermeiden, insbesondere wenn die Hauptrollen das selbe Kostüm in mehreren Szenen im Film tragen.
  • Bitte nicht zulassen, dass Schauspielern seidene Unterwäsche tragen, insbesondere BHs. Baumwoll-TShirts als Unterkleidung helfen sehr bei der Vermeidung von Stoffgeräuschenn
  • Seidenkrawatten sollten ebenfalls vermieden werden, oder wenigsten auf der Innenseite mit Baumwollstoff beklebt werden, insbesondere bei den Hauptrollen.
  • Seien sie bei der Auswahl von Halsketten, Armreifen oder anderem Schmuck bitte klangbewußt.
  • Wenn nach der Generalprobe Komparsen und Darstellerinnen noch Schuhe mit Absätzen angezogen werden, teile dies dem Tonmeister mit, damit er sie evtl. dämmen lassen kann.

Ausstattung / Requisite

Halte bitte geräuschlastige Requisiten so leise wie möglich. Insbesondere in den folgenden, üblichen Bereichen:

  • Tischszenen: Bitte unter die evtl. Tischdecke zwei Lagen Molton o.ä. Legen, um Geschirrklappern zu vermeiden. Untertassen mit Papierservietten auslegen, insbesondere bei den Komparsen im Hintergrund.
  • Eiswürfelimitate aus Plastik in den Gläsern verwenden.
  • Papiertüten bitte mit Wasser besprühen, damit das Papier nicht so raschelt.
  • Plastiktüten bitte möglichst aus dickerem Material besorgen.
  • Küchenszenen: Tücher an allen Positionen auslegen, an denen Geschirrklappern auftregen kann. Insbesondere in den näheren Einstellungen
  • Waffen: Teilen Sie dem Tonmeister im Voraus mit, ob die volle, ½, oder ¼ – Pulverladung verwendet wird und wann und wie viele Schüsse geplant sind.

Autodrehs

  • Mithelfen, Drehfahrzeuge innen und aussen möglichst störgeräuschfrei zu machen. Auf Lüftergeräusche nach dem Abstellen des Motors achten, Niveauregelung deaktivieren.
  • Innen- und Außenbeleuchtung von Drehfahrzeugen so mit Strom versorgen, dass der Motor auch dauerhaft abgestellt werden kann. Insbesondere Frontscheinwerfer und Blaulichter von Einsatzfahrzeugen.
  • Nur einen einzigen Autoschlüssel am Lenkradschloss beim Drehen benutzen, um Klimpern zu minimieren.
  • Das Armaturenbrett und die Konsole nicht mit Lederpolitur einölen, damit Mikrofone o.ä. dort haften können. Halte Reinigungsmittel bereit, um die Politur nach Bedarf zu entfernen.
  • Das Fahrzeuginnere so geräuscharm wie möglich halten (Testfahrt!). Gegenstände aus Handschufächern und Seitentaschen entfernen.
  • Plane ein, motorisierte Drehfahrzeuge lautlos von Menschenhand zu ziehen (starkes Tau!) oder zu schieben, insbesondere bei Naheinstellungen.

Kamerabühne

  • Vermeide unter allen Umständen Dollyquietschen. Talkumpulver oder Teflonspray verwenden. Wenn der Boden unter dem Dolly knarrt, Fahrbahnplatten auf Teppichmatten unterbauen. Bitte deshalb immer Fahrbahnplatten disponieren.

Lichtabteilung

  • Den Generator so weit wie möglich vom Set weg positionieren, auch die modernen Super-Silent-Generatoren. Genügend Drehstromleitungen dafür disponieren. So oft wie möglich Netzstrom am Drehort benutzen.
  • Versuche, wo irgend möglich, die Störgerausche von Lampen und Dimmern am Set zu reduzieren. Lärmende Geräte durch Kabelverlängerungen möglichst weit weg aufstellen.
  • Kabelwege so planen, dass Türen und Fenster geschlossen werden können.
  • Offene oder gekippte Fenster und Türen für Kabeldurchlässe eigenständig mit Moltonwürsten zustopfen, um den Lärm von außen zu dämmen.
  • Lärmende Settechnik, Ventilatoren und Dimmer eigenständig mit schalldämmenden Gegenständen (Molton, Kisten) umbauen.
  • Chimeras und Farbfolien so befestigen, dass sie nicht im Wind knistern.

Catering

  • Weit genug entfernt vom Set aufbauen, so dass Kaffeemaschinen und andere Küchengeräte nicht hörbar sind.
  • Settische im Aussenbereich mit Halterungen für die Plastikbecher der Crew versehen, so dass sie nicht im Wind herumpurzeln.

Schauspieler

Für Originaltonmeister ist ein guter Schauspieler jemand mit einer trainierten Stimme.  Wo immer unsereins aufeinandertrifft, geht es auch darum, wie gut die Stimme eines Darstellers ist. Schauspieler, die eine Menge Bühnenerfahrung haben, wissen meist, wie sie ihre Stimme mit genügend Volumen einsetzen können.

  • Wenn Sie der Tonmeister bittet, „mehr Stimme“ zu geben, dann will er das nur zu Ihrem Vorteil, denn er möchte Ihre Präsenz und Ihre Darbietung im Medium Film befördern. Wir Tonmeister bitten Sie nur dann, wenn es wirklich nötig ist.Tun Sie auch sich selbst  diesen Gefallen, denn  durch Sprachsynchron verlieren andernfalls alle.
  • Verweigern Sie sich nicht, ein Ansteckmikrofon zu tragen.
  • Bitte teilen Sie uns mit, wenn sie beabsichtigen, sehr viel lauter oder leiser als in der Probe zu spielen.

Regie

Arbeiten Sie mit Ihrem Settonmeister zusammen und sprechen Sie sich auch im Vorfeld regelmäßig ab, so wie sie das natürlich auch mit ihrem DoP, ihrer Bildeditorin, dem Autor oder dem Komponisten tun. Wir können Ihre „Vision“ auch durch Klangbilder bereichern. Erkundigen Sie sich nach möglichen Problemen und deren Lösungen. Lassen Sie es durch fehlende Kommunikation nicht soweit kommen, dass Sie es hassen, den Settonmeister ankommen zu sehen, weil Sie wissen, dass es nur schlechte Nachrichten sind. Ihr Tonmeister wird diese Haltung spüren und ihnen weniger und weniger mitteilen, bis der Ton irgendwann keine Rolle mehr bei der Arbeit am Film spielt.

Eine gute Verständigung mit Ihrem Tonmeister ermöglicht Ihnen auch, einschätzen zu können, was nebensächlich ist oder was nicht kaufbar ist. Wenn Sie sich lediglich darauf beschränken zu glauben, dass der Tonmeister schon einen brauchbaren O-Ton hinbekommt, könnten Sie falsch liegen: Es ist nämlich möglich, dass der Tonmeister den Kampf um einen guten O-Ton schon  aufgegeben hat – mangels positiver Rückmeldung von Ihrer Seite zu seiner Arbeit…

Sehr oft bleiben Tonprobleme unentdeckt, bis alle anderen Abteilungen ihre Drehvorbeitungen abgeschlossen haben und das Set still genug geworden ist, um sie über das Mikrofon zu hören. Die Einstellung kann sich so unvorhergesehen als tonlich problematich herausstellen. Auch kann eine kurze Zeit für Tonkorrekturen nötig werden, wenn es kreative Veränderungen an der Szene zwischen den Takes gegeben hat. Ob Sie es mögen oder nicht, Ton ist Teil des Filmemachens, von der Vorbereitung über die Drehphase bis zur Postproduktion. Besser man macht es richtig. Wenn Sie dies Ihrem Team auch so kommunizieren, haben Sie mehr Zeit, sich anderen qualitativen Aspekten des Drehs zu widmen.

Bedenken Sie, dass Produktions- und Aufnahmeleiter dahin tendieren, allein die Kosten des Drehs im Auge zu behalten. Sie sind nicht  für das Gesamtbudget des Films bis hin zur Postproduktion zuständig und neigen dazu, nachgelagerte Folgekosten z.B. durch schlechten O-Ton zu ignorieren.

Der Unterschied zwischen gutem und schlechtem Oton auf einem Dreh beträgt meist nur 10 bis 15 zusätzliche Minuten am Tag, die für kleine Verbesserungen hier und da benötigt werden: Eine zusätzliche Angel hier, eine kleine Korrektur am Ansteckmikro da, zwei Schuhsohlen bekleben, eine quietschende Tür ölen, einen Matte auslegen, Raumstatisch aufzeichnen, einen Motor stilllegen, der plötzlich in der Umgebung auftaucht, oder den quietschenden Dolly zu bepudern. Die meisten Probleme sind innerhalb der Dauer eines Takes gelöst. Wenn nicht, gibt es eben einen zusätzlichen Take. Set-ALs oder andere Teammitglieder, die diese Kleinigkeiten sabotieren, verursachen später sehr viel höhere Kosten in der Postproduktion.

  • Dialogüberhang (fehlende Schnittpausen)– Nach Möglichkeit beim Drehen besser vermeiden, ausser sie sind unbedingt nötig, denn im Bild kann man sowieso nur auf dem einen oder anderen Darsteller sein.   Später im Bildschnitt kann man  die Darsteller sich wieder ohne Probleme ins Wort fallen lassen. Normalerweise wird argumentiert, dass  ohne Überhang die Darbietung der Schauspieler leide. Doch dieses Argument verliert seine stichhaltigkeit, sobald man das Gesicht des anderen Darstellers nicht mehr sieht. Selbstverständlich gibt es auch Gelegenheit, bei denen Dialogüberhand sein MUSS und beide Darsteller mikrofoniert werden sollten.
  • Drehen mit ZWEI Kameras – Es gibt einen richtigen Weg, 2 oder mehr Kameras zu nutzen und einen falschen: Es ist total in Ordnung, 2 Kameras mit ungefähr der selben Einstellungsgröße gleichzeitig einzusetzen. Es ist aber der Alptraum jedes Tonmeisters, parallel eine Totale und eine Nahe Einstellung zu drehen. Der O-Ton  wird dadurch massiv schlechter, denn  alle Darsteller müssen nun verkabelt werden, da die offene Einstellung verhindert, dass die Angel nah genug für das engere Kamerabild herankommt. Dieses Dilemma kann dadurch gelöst werden, dass die zweite Kamera bei einer Totalen entweder nur Darsteller ohne Text filmt, oder Details, oder gar nicht zu Einsatz kommt.   Sobald die erste Kamera näherere Schüsse dreht, kann die zweite wieder dazu kommen.
  • Proben – Sie sind sehr wichtig für das gesamte Team. Es ist ok, Proben ohne Team, nur mit den Schauspielern zu machen, aber machen  sie mindestens eine für das Team, oder  lassen Sie wenigstens den Tonangler zusehen. Denn sonst können wir nur raten, wo, wann und wie der Dialog kommt und wie es klingen wird. Die am meisten gefürchtete Ansage ist: „Lass uns die Probe mitdrehen“. Vielleicht haben Sie Glück, aber machen Sie keine gedrehten Proben wenn Sie nicht willens sind viel mehr Takes für den Ton zu machen, um die unvorhergesehenen Probleme zu flicken.
  • Improvisieren – Es ist unmöglich, improvisierten Dialog zu angeln, den niemand vorhersehen kann. Wenn Sie einen improvisierten Satz gerne verwenden wollen, seien Sie bereit, einen weiteren Take für den Ton zu machen, wenn der Satz beim ersten mal nicht erwischt wurde.
  • Flugzeuge – Wahrscheinlich das am meisten frustierende Tonproblem am Set ist Drehen in der Einflugschneise. Ein Problem, das durch besseres Location Scouting meist hätte vermieden werden können. Sie wissen, es ist nicht gut, wir wissen es, die Schauspieler wissen es, das ganze Team weiss, dass es schlecht ist und auf die Nerven geht. Dennoch hat man nach einiger Zeit keine andere Wahl hat als dass man eben „da durch muss“ und trotz der Flieger dreht. Besser als Nachsynchronisierung ist es aber, das Bild aus vielen kurzen, aber sauber gedrehten Takes zusammenzuschneiden.
  • Lautere Stimmen – Manchmal brauch wir wirklich Ihre Unterstützung, die Darsteller zu lauterem Sprechen zu bewegen, damit die Szene überhaupt wirkungsvoll werden kann. In normalerweise lauten Umgebungen wie Bars oder Diskotheken, ist es gut, die Darsteller zu unnatürlich lautem Sprechen zu bewegen. Wenn nicht, müssen die Atmos und Effekte von der Postproduktion dünn und leise gehalten werden und können nicht in der Reichhaltigkeit eingesetzt werden, die die Szene authentisch wirken lässt.

Letzte Anmerkungen

Das Schlüsselwort in Sachen Ton ist immer „angemessen“. Angemessene Bemühungen sollten immer gemacht werden, diese ganzen Dinge in einer angemessenen Zeit zu vollbringen. Wir Tonleute wollen nicht das Set übernehmen und den Film alleine drehen, es geht nur darum, einen guten O-Ton zu bekommen. Aber wir wollen auch nicht still in einer Ecke hocken, während IHR Filmton den Bach runter geht.

Sagen Sie Ihrem Settonmeister nicht, dass sie Sprachsynchron hassen, wenn Sie nicht gewillt sind, Ihn bei seiner Arbeit am Set zu unterstützen.

Heute liegt es an Ihnen, besseren Ton für Ihren Film zu einzufordern. Dies können Sie  schon am ersten Tag der Vorbereitungsphase Ihres Films in die Produktion einfließen lassen. Geben Sie allen Abteilungen eine Notiz und einen mündlichen Hinweis, dass Sie von ihnen jede zumutbare Anstrengung erwarten, damit IHR Film auch einen guten Ton bekommt.

Wir wollen nicht die Macht über das Set, nur ein bischen Respekt für Ihren Filmton. Mit Ihrer wertvollen Unterstützung im Rücken versprechen wir, jederzeit angemessen zu handeln und nicht zu erwarten, dass der Ton der wichtigste Teil des Filmes ist. Wir wissen: Es gibt Momente, an denen der Dialog nachsynchronisiert werden muss, wenn vorher alle anderen Lösungswege bedacht wurden. Wir wollen nur nicht, dass dies auf die leichte Schulter genommen wird. Das Wort „angemessen“ gilt für alle.

Am allerwichtigsten: Nehmen Sie sich die Zeit, mit Ihrem Tonmeister zu kommunizieren, denn Sie müssen wissen, ob Sie die bestmöglichen Tonaufnahmen bekommen.

Wir schreiben dies, weil wir wollen, dass Ihr Film großartig wird! Es ist ein Werk für die Ewigkeit und wir wollen stolz darauf sein, dass unser Name auf Ihrem Film steht.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihre Filmtonmeister

amerikanischer Originaltext verfasst von John Coffey, unter Mitwirkung von Randy Thom, Jeff Wexler, Noah Timan, Mike Hall, John Garrett, Scott Smith, Rob Young, Mike Filosa, Wolf Seeberg,Darren Brisker, Charles Wilborn, Todd Russell, Brydon Baker, Larry Long, Glen Trew, Dave Schaaf, Charles Tomaras, Klay Anderson, Brian Shennan, Hans Hansen, David Marks, Bob Gravenor, Von Varga, Mark Steinbeck, Carl Cardin, Eric Toline, Joseph Cancila, Stu Fox, Peter Devlin, Matt Nicolay und vielen anderen.

Deutsche Übersetzung und Überarbeitung von Andreas Turnwald, .

 

Regie

Arbeiten Sie mit Ihrem Settonmeister zusammen und sprechen Sie sich auch im Vorfeld regelmäßig ab, so wie sie das natürlich auch mit ihrem DoP, ihrer Bildeditorin, dem Autor oder dem Komponisten tun. Wir können Ihre „Vision“ auch durch Klangbilder bereichern. Erkundigen Sie sich nach möglichen Problemen und deren Lösungen. Lassen Sie es durch fehlende Kommunikation nicht soweit kommen, dass Sie es hassen, den Settonmeister ankommen zu sehen, weil Sie wissen, dass es nur schlechte Nachrichten sind. Ihr Tonmeister wird diese Haltung spüren und ihnen weniger und weniger mitteilen, bis der Ton irgendwann keine Rolle mehr bei der Arbeit am Film spielt.

Eine gute Verständigung mit Ihrem Tonmeister ermöglicht Ihnen auch, einschätzen zu können, was nebensächlich ist oder was nicht kaufbar ist. Wenn Sie sich lediglich darauf beschränken zu glauben, dass der Tonmeister schon einen brauchbaren O-Ton hinbekommt, könnten Sie falsch liegen: Es ist nämlich möglich, dass der Tonmeister den Kampf um einen guten O-Ton schon  aufgegeben hat – mangels positiver Rückmeldung von Ihrer Seite zu seiner Arbeit…

Sehr oft bleiben Tonprobleme unentdeckt, bis alle anderen Abteilungen ihre Drehvorbeitungen abgeschlossen haben und das Set still genug geworden ist, um sie über das Mikrofon zu hören. Die Einstellung kann sich so unvorhergesehen als tonlich problematich herausstellen. Auch kann eine kurze Zeit für Tonkorrekturen nötig werden, wenn es kreative Veränderungen an der Szene zwischen den Takes gegeben hat. Ob Sie es mögen oder nicht, Ton ist Teil des Filmemachens, von der Vorbereitung über die Drehphase bis zur Postproduktion. Besser man macht es richtig. Wenn Sie dies Ihrem Team auch so kommunizieren, haben Sie mehr Zeit, sich anderen qualitativen Aspekten des Drehs zu widmen.

Bedenken Sie, dass Produktions- und Aufnahmeleiter dahin tendieren, allein die Kosten des Drehs im Auge zu behalten. Sie sind nicht  für das Gesamtbudget des Films bis hin zur Postproduktion zuständig und neigen dazu, nachgelagerte Folgekosten z.B. durch schlechten O-Ton zu ignorieren.

Der Unterschied zwischen gutem und schlechtem Oton auf einem Dreh beträgt meist nur 10 bis 15 zusätzliche Minuten am Tag, die für kleine Verbesserungen hier und da benötigt werden: Eine zusätzliche Angel hier, eine kleine Korrektur am Ansteckmikro da, zwei Schuhsohlen bekleben, eine quietschende Tür ölen, einen Matte auslegen, Raumstatisch aufzeichnen, einen Motor stilllegen, der plötzlich in der Umgebung auftaucht, oder den quietschenden Dolly zu bepudern. Die meisten Probleme sind innerhalb der Dauer eines Takes gelöst. Wenn nicht, gibt es eben einen zusätzlichen Take. Set-ALs oder andere Teammitglieder, die diese Kleinigkeiten sabotieren, verursachen später sehr viel höhere Kosten in der Postproduktion.

  • Dialogüberhang (fehlende Schnittpausen)– Nach Möglichkeit beim Drehen besser vermeiden, ausser sie sind unbedingt nötig, denn im Bild kann man sowieso nur auf dem einen oder anderen Darsteller sein.   Später im Bildschnitt kann man  die Darsteller sich wieder ohne Probleme ins Wort fallen lassen. Normalerweise wird argumentiert, dass  ohne Überhang die Darbietung der Schauspieler leide. Doch dieses Argument verliert seine stichhaltigkeit, sobald man das Gesicht des anderen Darstellers nicht mehr sieht. Selbstverständlich gibt es auch Gelegenheit, bei denen Dialogüberhand sein MUSS und beide Darsteller mikrofoniert werden sollten.
  • Drehen mit ZWEI Kameras – Es gibt einen richtigen Weg, 2 oder mehr Kameras zu nutzen und einen falschen: Es ist total in Ordnung, 2 Kameras mit ungefähr der selben Einstellungsgröße gleichzeitig einzusetzen. Es ist aber der Alptraum jedes Tonmeisters, parallel eine Totale und eine Nahe Einstellung zu drehen. Der O-Ton  wird dadurch massiv schlechter, denn  alle Darsteller müssen nun verkabelt werden, da die offene Einstellung verhindert, dass die Angel nah genug für das engere Kamerabild herankommt. Dieses Dilemma kann dadurch gelöst werden, dass die zweite Kamera bei einer Totalen entweder nur Darsteller ohne Text filmt, oder Details, oder gar nicht zu Einsatz kommt.   Sobald die erste Kamera näherere Schüsse dreht, kann die zweite wieder dazu kommen.
  • Proben – Sie sind sehr wichtig für das gesamte Team. Es ist ok, Proben ohne Team, nur mit den Schauspielern zu machen, aber machen  sie mindestens eine für das Team, oder  lassen Sie wenigstens den Tonangler zusehen. Denn sonst können wir nur raten, wo, wann und wie der Dialog kommt und wie es klingen wird. Die am meisten gefürchtete Ansage ist: „Lass uns die Probe mitdrehen“. Vielleicht haben Sie Glück, aber machen Sie keine gedrehten Proben wenn Sie nicht willens sind viel mehr Takes für den Ton zu machen, um die unvorhergesehenen Probleme zu flicken.
  • Improvisieren – Es ist unmöglich, improvisierten Dialog zu angeln, den niemand vorhersehen kann. Wenn Sie einen improvisierten Satz gerne verwenden wollen, seien Sie bereit, einen weiteren Take für den Ton zu machen, wenn der Satz beim ersten mal nicht erwischt wurde.
  • Flugzeuge – Wahrscheinlich das am meisten frustierende Tonproblem am Set ist Drehen in der Einflugschneise. Ein Problem, das durch besseres Location Scouting meist hätte vermieden werden können. Sie wissen, es ist nicht gut, wir wissen es, die Schauspieler wissen es, das ganze Team weiss, dass es schlecht ist und auf die Nerven geht. Dennoch hat man nach einiger Zeit keine andere Wahl hat als dass man eben „da durch muss“ und trotz der Flieger dreht. Besser als Nachsynchronisierung ist es aber, das Bild aus vielen kurzen, aber sauber gedrehten Takes zusammenzuschneiden.
  • Lautere Stimmen – Manchmal brauch wir wirklich Ihre Unterstützung, die Darsteller zu lauterem Sprechen zu bewegen, damit die Szene überhaupt wirkungsvoll werden kann. In normalerweise lauten Umgebungen wie Bars oder Diskotheken, ist es gut, die Darsteller zu unnatürlich lautem Sprechen zu bewegen. Wenn nicht, müssen die Atmos und Effekte von der Postproduktion dünn und leise gehalten werden und können nicht in der Reichhaltigkeit eingesetzt werden, die die Szene authentisch wirken lässt.