Fragen und Antworten zur Gagenempfehlung

• Für wen gilt die Empfehlung?

Die Empfehlung gilt für alle Selbstständigen und befristet (also projektweise auf Lohnsteuerkarte arbeitenden) Angestellten, unmittelbar aber nicht für Festangestellte.

• Kann man die Empfehlung nicht auch für Festangestellte umrechnen?

Ungefähr ja. Ziel der Empfehlung ist, vorhandene Tarifgagen für befristet Angestellte nicht durch Selbstständigengagen zu unterlaufen; außerdem hat ein Selbstständiger höhere Kosten als ein Angestellter. Für einen befristet Angestellten entsteht einem Arbeitgeber bei den für Filmdrehs in Deutschland üblichen Beschäftigungszeiten ca. 30% Lohnnebenkosten; für einen Festangestellten kommen ca. 50% Lohnnebenkosten zustande.
Daraus ergibt sich die folgende Rechnung:

[Selbständigen-Gage] = 1,3 • [Angestellten-Gage befristet]

= 1,5 • [Festangestellten-Gage]

oder anders ausgedrĂĽckt:

[Festangestellten-Mindestgage] = 0,86 • [Angestellten-Mindestgage befristet]

• Wie setzen sich die Lohnnebenkosten für befristet Angestellte genau zusammen?

Die Lohnnebenkosten bei einer befristeten Anstellung haben wir auf unseren Seiten unter dem Titel „Gagen versus Lohn“ aufgefĂĽhrt.

• Ich finde keine Gagenempfehlung fĂĽr Synchron-Mischtonmeister – habt Ihr die vergessen?

Nein. Ein Synchron-Mischtonmeister – also jemand, der Synchronfassungen von Filmen mischt – ist auch nur ein spezieller Mischtonmeister. FĂĽr ihn gelten die Mischtonmeister-Gagenempfehlungen.

• Wie kam es zu der Grenze von 1,2 Mio. Budget zwischen Low-Budget und Normal-Budget, und wie begründet sie sich im Detail?

Es handelt sich um eine willkĂĽrlich gezogene Grenze. Sie liegt knapp unterhalb eines durchschnittlichen „Tatort“-Budgets, weil wir der Meinung sind, dass hochwertige 90-Minuten-Abendunterhaltung nicht mit Low-Budget-Gagen produziert werden soll.

• Bezieht sich „Low Budget“ bei Euren Gagenempfehlungen nur auf das Produktionsbudget, oder auf andere Faktoren?

„Low Budget“ bezieht sich bei uns tatsächlich auf das Budget, nicht auf andere Voraussetzungen. Die untere Gagenstufe (Budget <1,2 Mio.€) bedeutet im Fernsehbereich natĂĽrlich nicht automatisch „Low Budget“, sondern bezieht sich ebenso auf normale Fernsehserien, -soaps und kleinere Filme, die pro Folge unter dieser Budgetgrenze angesiedelt sind.

• Wie steht die bvft zu Hochschulabschlussfilmen, Debütfilmen usw., die in der Regel ein Budget haben, dass keine Tarifgagen zulässt?

Solange der Lehrgedanke nicht den kommerziellen Zielen eines solchen Projektes unterliegt, und eine solche Produktion im Rahmen einer Hochschule stattfindet, halten wir es fĂĽr nachvollziehbar, dass keine Tarifgagen gezahlt werden. Es ist und bleibt aber problematisch, wenn hochwertiges Programmmaterial fĂĽr Fernsehsender unter dem Vorwand der Lehre zu Dumpingpreisen produziert wird.

• Die Gagen fĂĽr den Originaltonmeister entsprechen dem Tarifvertrag FFS – warum aber liegt die Gage des 1. Tonassistenten 21% ĂĽber der Tarifgage?

Weil wir den Stellenwert des 1. Tonassistenten auf gleichbedeutend mit dem des 1. Kameraassistenten einstufen. Die Arbeit des 1. Tonassistenten ist entscheidend für das Resultat der Tonaufnahme am Set. Ein Originaltonmeister kann noch so qualifiziert sein: wenn der Tonassistent keine gute Arbeit leistet, wird der O-Ton nicht gut. In der Praxis sind deswegen auch Gagen über der Mindestgage im Tarifvertrag FFS gang und gäbe, was sich auch in unserer Empfehlung niederschlägt.

• Ordne ich mich als Sounddesigner nun in die Kategorie „Sound Editor“ oder beim „Supervising Sound Editor“ ein?

Das hängt von der jeweiligen Stellung gegenĂĽber dem Auftraggeber ab:  Ist man bei einem Projekt der hauptverantwortliche Tongestalter (auch als „1-Mann-Team“) gegenĂĽber der Produktionsfirma oder dem Tonstudio, so definiert die bvft dies als „Sounddesigner in leitender Funktion“. Er sollte in der Gage mit dem Supervising Sound Editor gleichgestellt sein.

Arbeitet man allerdings in einem Team einem anderen Sounddesigner zu, dann trägt man nicht die organisatorische und kreative Hauptverantwortung. In diesem Fall kann man sich in der Gagentabelle als Sound Editor einstufen. Siehe dazu auch unsere Berufsbilder.