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bvft spricht K√∂lner EB-Kollegen volle Unterst√ľtzung aus

11.12.2017

bvft-ohne_rgb-72dpi1In einem offenen Brief beklagt ein Netzwerk aus 100 EB-Tontechnikern ihre Arbeitssituation in K√∂ln und Umgebung. Den immer anspruchsvolleren Arbeitsbedingungen stehe eine sinkende Entlohnung gegen√ľber. Neben einem Mindestsatz von 200 Euro, fordern sie nun unter anderem bezahlte √úberstunden und Reisetage sowie die Einhaltung von Pausenzeiten. Den Produktionsfirmen wurde bis 1. M√§rz 2018 Zeit gegeben, um diesen Konditionen nachzukommen.

Diese prek√§ren Arbeitsverh√§ltnisse im EB-Bereich sind jedoch nicht nur in der Domstadt anzutreffen, auch in Berlin sind inzwischen teilweise nur noch Verg√ľtungen zwischen 160‚ā¨ und 180‚ā¨ √ľblich. Und diese werden dann am liebsten auf Rechnung bezahlt. Wir w√ľnschen den K√∂lner Tontechnikern daher, dass ihr Schreiben auch √ľber die Landesgrenzen hinaus eine hohe Signalwirkung f√ľr die Branche zeigt.
„Die Kollegen im EB-Ton tragen die Verantwortung f√ľr den Gro√üteil des non-fiktionalen O-Tons im deutschen Fernsehprogramm auf ihren Schultern. Daher ist es nur fair, wenn daf√ľr eine entsprechende Entlohnung geleistet wird“, sagt dazu Philipp Sehling vom Vorstand der bvft. Besonders bei der Verwendung vieler Funkmikrofone, separater Tonaufzeichnung und Timecode-Verkn√ľpfung mit der Kamera, sieht die bvft auch eine Aufweichung der Grenze zum Originaltonmeister f√ľr Dokumentarfilm. Wir empfehlen daher jedem EB-Kollegen genau zu pr√ľfen, ob sich seine T√§tigkeit nicht eventuell schon mit unseren Berufsbildern deckt und dementsprechend bei den Gagenverhandlungen ein Bezug zu unserer Gagenempfehlung genommen werden kann.

Wir sind gespannt wie die Produktionsfirmen in NRW auf die Forderungen des EB-Tontechniker Netzwerkes reagieren werden und welche Ma√ünahmen von diesem ergriffen werden, falls ihrem Ansinnen nicht nachgekommen wird. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den Streik der Freischaffenden beim MDR vor zwei Jahren. Damals fiel bei dem Sender tats√§chlich Programm aus, als freie Mitarbeiter aufgrund des damals √ľblichen Honorar-Dumpings die Arbeit niederlegten. In diesem Fall zeigte sich gut, dass Zusammenhalt und Gagentransparenz die Grundlage zur Durchsetzung einer angemessener Bezahlung sind. Wir w√ľnschen den K√∂lner Kollegen viel Erfolg!

Im Folgenden der gesamte Brief des Kölner EB-Tonmeister Netzwerks:

Dieser offene Brief richtet sich an alle Sender, Produktionsfirmen, Produktionsdienstleister, Produzenten, Produktionsleiter und Kameraleute, au√üerdem an diejenigen, die gerade dar√ľber nachdenken, die Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton zu ergreifen, sie bereits ergriffen oder schon beendet haben. Angesprochen sind auch alle EB- Tontechniker in Deutschland, die noch nicht Teil unseres Netzwerks sind.

Seit einigen Jahren beobachten wir K√∂lner EB-Tontechniker, dass die produktionsbedingten Anforderungen st√§ndig steigen; insbesondere in Bezug auf Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen ‚Äď und das bei sinkender Verg√ľtung. Der Aufgabenbereich eines EB- Tontechnikers hat sich deutlich erweitert. Beispielsweise ist die Anzahl der durchschnittlich verwendeten Funkstrecken stark gestiegen. Dar√ľber hinaus werden Ton mit teils versteckter Mikrofonierung, Kameraassistenz, evtl. auch das Bedienen von Gopros und zweiter Kamera, sowie Timecodeverkoppelung als selbstverst√§ndlich angesehen. Teilweise ist die Tontasche inzwischen schwerer als die Kamera. Gleichzeitig gewinnen wir den Eindruck, dass diese Zunahme an Anforderungen nicht gesehen und dementsprechend auch nicht ber√ľcksichtigt wird.

Die Verg√ľtung ist in den letzten 20 Jahren kaum gestiegen; vielmehr ist sie teilweise gar gesunken. 1997 waren 350 DM ein durchschnittlicher Tagessatz f√ľr einen Tontechniker mit max. 2 Funken. Inflationsbereinigt sind das heute 236,91 Euro.

Der Versuch, unternehmerisches Risiko auf freie Mitarbeiter zu √ľbertragen, und die Kreativit√§t mancher Produktionsleiter, neue kostensparende Regeln f√ľr den Ablauf von Dreharbeiten zu ersinnen, wie z.B. die Selbstbeteiligung bei Mietwagen oder die Anreise als Freizeit zu verbuchen, machen eine Klarstellung unsererseits in Form von Mindeststandards erforderlich.

Wir m√∂chten Sie ‚ąí unsere teils langj√§hrigen Kunden ‚ąí daf√ľr gewinnen, sich mit uns zusammen f√ľr den guten Ton Ihrer Filmproduktion einzusetzen. Das bedeutet, sich auch √ľber Arbeitsbedingungen und entsprechende Entlohnungen zu verst√§ndigen.

Damit weiterhin gen√ľgend qualifizierte und motivierte EB-Tontechniker f√ľr Sie zur Verf√ľgung stehen, setzt sich das K√∂lner EB-Tontechniker-Netzwerk ab dem 1. M√§rz 2018 f√ľr folgende Mindeststandards ein:

Drehtag
Ein Drehtag hat maximal 10 Stunden und wird mit mindestens 200 ‚ā¨ berechnet.

√úberstunden

Jede weitere angefangene Stunde wird als √úberstunde betrachtet und mit einem Zehntel der Tagesgage zuz√ľglich eines Zuschlages von 25 % berechnet (mind. 25 ‚ā¨).

Ab der 3. √úberstunde betr√§gt der Zuschlag 50 % (mind. 30 ‚ā¨). Beginn / Ende

Ein Drehtag beginnt bei ortsans√§ssigen Produktionsfirmen ab Treffpunkt in der Produktion, sp√§testens aber mit dem Pr√ľfen / Packen des Equipments. Er endet nach Versorgen des Equipments in der Produktion oder auf dem Hotelzimmer. Bei Produktionen au√üerhalb K√∂lns geh√∂ren die Anfahrt zum Treffpunkt und die R√ľckfahrt zur Arbeitszeit. Reisezeiten an Drehtagen sind Arbeitszeit f√ľr alle Mitarbeiter, nicht nur den Fahrer.

Pausenzeiten

Innerhalb eines Drehtages mit 10 Stunden ist eine Pause von mindestens 45 Minuten enthalten. Diese geh√∂rt zur Arbeitszeit. 30 Minuten davon m√ľssen am St√ľck abgehalten werden. Wird die Pausenzeit unterschritten, wird eine √úberstunde extra berechnet.

1/2 Drehtage

Unter der Voraussetzung, dass ein halber Drehtag im Vorfeld (nicht am Drehtag) angefragt wird und dieser die Zeit von 4 Stunden inklusive An- und Abreise, inklusive des Versorgens des Equipments nicht √ľberschreitet, wird dieser mit mind. 75 % der Tagesgage berechnet (nach Ablauf der 4 Stunden werden 100 % berechnet). Dauert der Drehtag l√§nger als 4 Stunden, resultiert daraus keine Bereitschaft f√ľr die Dauer des √ľblichen 10 Stunden-Drehtages.

Reisetage
Ein Reisetag mit bis zu 5 Stunden Anfahrt wird mit mindestens 50 % Tagesgage berechnet,

ein Reisetag mit √ľber 5 Stunden mit mindestens 75 %. An Reisetagen dreht die Kamera nicht. Recording / Einsatz von mehr als 4 Funkstrecken

Ist der EB-Tontechniker f√ľr das Handling von mehr als 4 Funkstrecken oder f√ľr das Kamera- unabh√§ngige Aufzeichnen verantwortlich, wird eine Mindestgage von 240 ‚ā¨ / 10 Stunden berechnet.

Absage von Drehtagen

Erfolgt die Absage eines geplanten Drehtages nicht mindestens 24 Stunden vor Drehbeginn, so wird der Drehtag in voller Höhe berechnet.

Schäden

Muss ein EB-Tontechniker einen Produktionswagen steuern, betr√§gt seine Selbstbeteiligung an nicht vors√§tzlich herbeigef√ľhrten Sch√§den 0 ‚ā¨. F√ľr nicht vors√§tzlich herbeigef√ľhrte Sch√§den am Equipment betr√§gt die Selbstbeteiligung ebenfalls 0 ‚ā¨.

Wir m√∂chten Ihnen als unseren Kunden die M√∂glichkeit geben, sich auf die geforderten Gagen und Bedingungen einzustellen. Deswegen haben wir eine √úbergangszeit bis zum 28. Februar 2018 eingerichtet. Die Mitglieder unseres Netzwerkes sind ab 01. M√§rz 2018 nicht mehr bereit, unterhalb der oben geforderten Standards f√ľr Auftr√§ge zur Verf√ľgung zu stehen.

Wir K√∂lner EB-Tontechniker lieben unseren Beruf, weil er spontan, abwechslungsreich und spannend ist, weil wir guten Ton lieben und k√∂nnen, weil wir uns f√ľr alles interessieren, was mit Kamera und Technik zu tun hat und weil wir die Arbeit mit Menschen kennen und sch√§tzen. Gerne bringen wir uns voll ein, wenn Sie das w√ľnschen. Wir begreifen unsere Arbeit nicht als ungeliebtes Sprungbrett zum Kameramann oder Redakteur, sondern machen sie mit Leib und Seele.

Lassen Sie uns gemeinsam daf√ľr sorgen, dass Sie Ihre Projekte weiterhin mit hochqualifizierten und motivierten EB-Tontechnikern umsetzen k√∂nnen. Helfen Sie uns, zuk√ľnftig von unserem Beruf leben zu k√∂nnen.

Das Kölner EB-Tontechniker-Netzwerk

 

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