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Bundesrat verschiebt die Entscheidung zur Neuvergabe der Funkfrequenzen

15.05.2009

Der Bundesrat hat heute, am 15. Mai 2009, die Entscheidung ĂŒber die Neuvergabe der Funkfrequenzen um 800MHz an die Mobilfunkbranche um vier Wochen vertagt.
Damit soll den Bedenken des Kulturausschusses Rechnung getragen werden, der verlangt, dass „vor der tatsĂ€chlichen Frequenzvergabe und Nutzung der digitalen Dividende (…) fĂŒr die Störproblematiken fĂŒr drahtlose Produktionsmittel und sowohl fĂŒr leitungsgebundene als auch fĂŒr nicht leitungsgebundene RundfunkĂŒbertragung eine befriedigende Lösung aufzuzeigen“ ist.

Die BVFT begrĂŒĂŸt diese Entscheidung und bietet seine Mitarbeit an der Lösungsfindung an. Wir weisen auf ein von uns unterstĂŒtztes Papier der APWPT hin, welches einen geordneten Übergang skizziert und der Kultur-, Film- und Fernsehbranche einen geeigneten Funkbetrieb ermöglicht.

Link: http://www.apwpt.org/downloads/apwpt-eckpunkte-fuer-eine-geordnete-technische.pdf


Nachfolgend ein Schreiben der BVFT an den zustÀndigen Ressorleiter im Kulturstaatministerium vom 12. Mai 2009:

Sehr geehrter Herr S.,

vielen Dank fĂŒr Ihre Stellungnahme vom 21. April auf die Anfrage der Berufsvereinigung Filmton e.V. zum Thema Funkfrequenzen fĂŒr Drahtlosmikrofone.Ich danke Ihnen ebenfalls fĂŒr Ihr BemĂŒhen, die gröbsten Auswirkungen der Frequenzumwidmung auf die Fernseh- und Filmbranche in der ersten Verordnungsfassung abgemildert zu haben.

Die Berufsvereinigung Filmton (bvft) und der Verband fĂŒr professionelle drahtlose Produktionstechnologie (APWPT) anerkennen die BemĂŒhungen der Bundesregierung, mit Hilfe von Telekommunikationsunternehmen die lĂ€ndliche Bevölkerung mit BreitbandfunkanschlĂŒssen zu versorgen.

Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, daß die Frequenzneuvergabe in planbaren und geordneten Bahnen verlĂ€uft und allen Beteiligten ein störungsfreier, legaler Betrieb in ihren zukĂŒnftigen Frequenzbereichen ermöglicht wird.

Dazu hat der APWPT letztes Wochenende ein Eckpunktepapier erstellt, welches einen Zeitplan fĂŒr den Übergang mit einem tragbaren Kompromiss in der Frequenzvergabe verbindet. Ich habe Ihnen diesen mit der Bitte um Kenntnisnahme als PDF angehĂ€ngt.
In Ihrer Stellungnahme sprechen Sie die mögliche Abmilderung von Umstellungskosten fĂŒr die Betreiber der Audiofunkstrecken durch eine Kostenbeteiligung durch zukĂŒnftige Frequenznutzer an. Dies begrĂŒĂŸen wir ausdrĂŒcklich.Diese Kosten können jedoch schon durch eine mittelfristige Vorlaufzeit und Planbarkeit von Alternativfrequenzen stark reduziert werden, was wir fĂŒr die bessere Lösung halten.

Sehr branchenfern ist allerdings das Angebot von Einzelzuteilungen unterhalb 790 Mhz. Die meisten Funkstrecken in der Film- und Fernsehproduktion werden im Bereich aktueller Berichterstattung und Dokumentationen eingesetzt. Der Einsatz ist sehr mobil, kurzfristig und unvorhersehbar. Oftmals stehen Anzahl und Einsatzort von Funkstrecken noch nicht einmal zu Beginn des Drehtages fest. Ein Antrag auf Einzelzuteilung bei der Bundesnetzagentur ist in der kurzen Zeit also absolut undenkbar. Wie sollen mit solch einem geplanten Prozedere zum Beispiel die tĂ€glichen Nachrichten erstellt werden?Abgesehen davon trĂ€ten erhebliche Kosten auf. Da die Einzelzuteilungen ortsgebunden sind, ist fĂŒr jeden Drehort pro Funkstrecke ein Antrag zu stellen. Bei stĂ€ndig wechselnden Drehorten (oftmals mehrere pro Tag) entstĂŒnden bei einer Anzahl von durchschnittlich drei Funkstrecken pro Kamerateam Kosten von vielen hundert Euro. Pro Tag!Die ZuteilungsgebĂŒhren wĂŒrden somit die Drehkosten quasi verdoppeln und ĂŒbersteigen die Umstellungskosten bei weitem.

Die blĂŒhende Landschaft der Dokumentarfilme mit Ihren ohnehin kleinen Budgets wĂŒrde bei solch hohen Kosten schnell verwelken. Drahtlosmikrofone bilden hier oft das technische RĂŒckgrat der ErzĂ€hlung, ohne die ein Folgen und Miterleben mit den Protagonisten gar nicht möglich ist.
Die durch Einzelzuteilung hervorgerufene BĂŒrokratie wĂ€re fĂŒr eine moderne Mediengesellschaft nicht akzeptal. Bei tausenden von AntrĂ€gen, die von der BNA pro Tag bearbeitet werden mĂŒssten, ist dieser Aufwand auch nicht praktikabel. Ein massenweises Ausweichen in den illegalen Funkbetrieb wĂ€re zu befĂŒrchten.Auch sind Frequenzen oberhalb von 1 Ghz keine mögliche Alternative. Die meisten Drahtlosfunkstrecken werden dicht am Körper getragen. Dieser absorbiert um so mehr Funkenergie, je höher die abgestrahlten Frequenzen sind. In den angesprochenen Bereichen oberhalb 1,5 GHz ist somit kein Betrieb von Tonfunkstrecken möglich. GeschĂ€tzt 80% des Fernsehprogramms wird heutzutage mit Drahtlosmikrofonen bestritten und wĂŒrde bei diesen hohen Funkfrequenzen verstummen.

Wir bitten Sie deshalb, im Rahmen der Neuvergabe auf anmeldefreie, gleichwertige Alternativfrequenzen mit Allgemeinzuteilung hinzuwirken. Gerne beteiligen wir uns an einer Lösungsfindung.Anbei finden Sie auch die Pressemitteilung des BVFT und APWPT mit UnterstĂŒtzung der Allianz deutscher Produzenten Film und Fernsehen.

Mit der Bitte um Kenntnisnahme und zukĂŒnftige Zusammenarbeit verbleibe ich
Mit freundlichen GrĂŒĂŸen,
Andreas Turnwald
BVFT-Vorstand